Zwischen Armut und Bildung

Ein stechender Geruch liegt in der Luft, es fehlt an Klopapier und Toilettenbrillen. Von den Wänden bröckelt der Putz, dafür blüht der Schimmel. Was wie eine Elendsbeschreibung anmutet, ist Alltag in vielen Schulen Deutschlands. In diesem Umfeld sollen die Eliten von morgen heranwachsen. Ist Bildung hier möglich?

Die schwarze Null ist teuer für Deutschland

Die Staatsverschuldung einzudämmen ist einer der größten Erfolge der Großen Koalition. Sparmaßnahmen bei der Erhaltung der Infrastruktur dienten dabei als wirksames Mittel. Die Folgen sind fatal. Mancherorts im europäischen Ausland sind die Straßen selbst auf Schotterwegen in einem besseren Zustand als die Hauptverkehrswege in Deutschland. Bei den Schulen des Landes sieht es ähnlich aus: Jeder Vermieter, der seine Immobilie derart verkommen lässt, muss mit Mietminderung rechnen. Dass Schimmel gesundheitsgefährdend ist, ist hinlänglich bekannt. Doch gerade in diese Umgebung entsenden Eltern täglich ihren Nachwuchs. Die Einflüsse auf das Lernklima sind kaum einzuschätzen.

Investitionsbedarf Autobahn und Schulen

Rechtzeitig vor der Wahl legt die Bundesregierung mit milliardenschweren Investitionen nach: Die Autobahnen im Land mutieren zur Dauerbaustelle während der Sommerferien. Für die Schulen steht ein Investitionsvolumen in Höhe von 3,5 Mrd. Euro aus dem Nachtragshaushalt 2016 zur Verfügung. Das ist ein Anfang, aber ohne gründliche Sanierung geht an vielen Schulen gar nichts mehr. Manche Räume sind wegen Baufälligkeit geschlossen. Es kommt zu Unterrichtsausfall. Auf Spezialmessen wie der SCHULBAU in Köln finden Schulleitungen und Elternbeiräte zumindest beratende Unterstützung bei den Bemühungen, die wenigen Gelder optimal einzusetzen. Sanierungsprojekte müssen Schulen nämlich allein umsetzen.

Bildung & Digitalisierung: Es fehlt an vielen Stellen

Wie folgenschwer die Situation ist, wird bei einem Blick auf die Ausstattung deutlich. Moderne Lernmethoden einschließlich digitaler Unterstützung sind an vielen Schulen noch reines Wunschdenken. Kein Wunder: Wer will auch ein teures Smartboard dort befestigen, wo schon die Wandtafel keinen Halt findet. Die Digitalisierung in den Schulen wird heute häufig über die Smartphones der Schüler realisiert. Wer keines besitzt, kann seine Hausaufgaben nicht erledigen. Spätestens jetzt sind die Noten gefährdet.

Bildungspolitik ein Problem für die Zukunft

Schlechte Straßenbeläge lassen sich reparieren, Fehler in der Bildung nicht. Langfristig betrachtet sind die Folgekosten höher als die von der KfW-Bank errechneten 34 Mrd. Euro, auf die sich der Investitionsrückstand inzwischen aufsummieren konnte. Wer kann, zieht mit seinen Kindern um in ein reiches Bundesland. Dort sehen die Schulen vielfach besser aus als in der Hauptstadt Berlin oder anderen Metropolen.

 

(Bildquelle: Titelbild © Jasper Grahl • Fotolia.com)

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