HANNOVER MESSE 2017

Vermutlich ist niemand überrascht davon, dass Industrie 4.0 auch 2017 auf der weltweit größten Industriemesse, der HANNOVER MESSE, das beherrschende Thema ist. Umso mehr, als dass KMU noch immer zurückhaltend sind bei der Umsetzung. Die Industrie ist um Meilen voraus. Das beschleunigt die Entwicklung und jedes Jahr führen Unternehmen neue Technik und Lösungen ein. Langsam dringen die vor kurzer Zeit entstandenen Technologien in andere Bereiche vor. Der 3D Druck konnte sich bereits durchsetzen. Welche Themenfelder die HANNOVER MESSE 2017 berührt, stellen wir anhand ausgesuchter Beispiele vor.

Data Lake: Nie mehr im Trüben fischen

Big Data ermöglicht es, aus zahllosen Datenquellen Informationen zu beziehen und zusammenzuführen. Der enorme Aufwand für die Datenintegration mag erklären, warum kleine und mittlere Unternehmen das Potenzial noch nicht ausschöpfen oder sich auf einige ausgesuchte Datenquellen beschränken. Mit Data Lake ist es nun möglich, große Datenmengen unverarbeitet zu nutzen. Das Datenformat spielt praktisch keine Rolle mehr. Für die Analyse steht das heterogene Datenmaterial aus allen Quellen schneller bereit. Damit trägt die Entwicklung der sich stetig veränderten Datenlandschaft Rechnung. Mehr Medien als bisher liefern Informationen für optimierte Abläufe und Prozesse in den Unternehmen und im Kontakt mit dem Abnehmer.

Um das gesammelte Wissen nutzbar zu machen, bildet das Data Warehouse eine gute Ausgangsbasis. Allerdings ist es dabei wenig flexibel. Mit dem Data Lake steigen die Anforderungen. Nun gelingt es, in einem Try-and-Error-Prozess Hypothesen zu überprüfen und gegebenenfalls unerwartete Lösung zu entdecken. Zum aktuellen Zeitpunkt der Entwicklung, die Anbieter auf der HANNOVER MESSE vorstellen, ergänzen sich Data Warehouse und Data Lake für agile Prozesse mit vollkommen neuen Ansätzen. Solange ausreichend Speicherplatz vorhanden ist, profitieren insbesondere kleinere Unternehmen. Dank eines Open Source Frameworks ist die Integration mit vergleichsweise geringen Kosten verbunden, ermöglicht allerdings, noch unverarbeitete Daten auf ihren Nutzen hin zu überprüfen. Erst dann lohnt die Überführung in das Data Warehouse.

Energy meets Industry: Ohne Energie geht gar nichts

Die HANNOVER MESSE ist Tummelplatz zahlreicher Kongresse von Weltrang und Messen. Unter anderem der Messe Energy. Das Gipfeltreffen der Energiewirtschaft zieht jedes Jahr Interessierte an und auch für die Industrie ist Energie allgemein ein zentrales Thema. Immerhin sehen sich Unternehmen steigenden Energiekosten gegenüber und fast turnusmäßig scheinen neue Abgaben und Umweltvorschriften hinzuzukommen. Dann lohnt die Anschaffung einer autarken Stromversorgung und gute Kontakte zur Energiebranche sind gewollt. Die Nachfrage eines so großen Abnehmers wirkt gleichzeitig wie ein Motor auf die Entwicklung. Energiespeichersysteme, die für die industrielle Anwendung eignen, könnten manche Probleme lösen, die in der Wind- und Solarenergie noch Lösungen erfordern.

Bis dahin greifen gewerbliche Energieverbraucher zu ausgefeilter Sensorik, um Einsparmöglichkeiten zu lokalisieren und um zu einem effizienten Energieverbrauch zu gelangen. Zahlreiche Dienstleister sind in diesem Bereich tätig und bieten neben der Messtechnik auch Software und Lösungen für die Visualisierung an. Das unter dem Titel „Energy meets Industry“ stattfindende Forum beweist aber, dass die Energiewirtschaft ein ebenso großes Interesse an den Entwicklungen der Industrie zeigt. Zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge (Internet of Things? – IoT). So findet der aufmerksame Besucher auf der HANNOVER MESSE zahlreiche Anbieter, die sich auf einer der vielen Einzelveranstaltungen mit ihren Innovationen der Öffentlichkeit präsentieren. In den Workshops, Kongressen und Foren treffen Sie auf die Experten aus aller Welt.

Bionik: Lehrmeister Natur

Dass viele Automobilkarosserien eine vergleichbare Silhouette zeigen, liegt am Pinguin. Untersuchungen ergaben, dass die schlanke Form des Antarktisbewohners optimale Strömungsergebnisse liefert. Andere Forschungsergebnisse bescherten uns den Lotuseffekt, auf dem Wasser rückstandsfrei abperlt. Nach diesen Erfolgen widmen sich jetzt Forschergruppen der Arizona State University einer weiteren Spezies: dem Pfeilgiftfrosch. Von besonderem Interesse sind die unterschiedlichen Drüsen auf der Haut der Amphibien, die Gift absondern zur Abwehr von Fressfeinden und die Froschhaut befeuchten. Es wird untersucht, ob sich daraus Technologien für eisfreie Tragflächen am Flugzeug entwickeln lassen. Die Automobilindustrie verfolgt die Forschung ebenfalls mit großer Aufmerksamkeit. Sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten nach dem Vorbild der Natur scheinen sich auch für die Kosmetikindustrie zu ergeben, wenn keine Reste mehr in der Shampooflasche zurückbleiben, weil die Innenseite mit einer speziellen Beschichtung ausgestattet ist.

Der Experte spricht von Bionik, wenn untersucht wird, welche Eigenschaften aus der Natur auf Industrieprodukte übertragbar sind. Dafür müssen die Wissenschaftler sie erst einmal verstehen. In Kombination mit Nanotechnologie erzielen sie bereits jetzt nennenswerte Erfolge, die das Leben erleichtern und die Umwelt schonen. Mit jeder verbliebenen Restmenge in einer Shampooflasche gelangen auch Schadstoffe in die Umwelt ohne Nutzen für den Konsumenten. Außerdem gelingt es damit, einer wiederkehrenden Kritik seitens der Verbraucher ein Ende zu bereiten. In den Möglichkeiten der Bionik erkennen Visionäre maßgebliche Chancen für die Zukunft.

Digital Twin: Künstliche Intelligenz auf dem Beifahrersitz

In zunehmend dichteren Verkehr fällt es selbst geübten Fahrern schwer, den Überblick zu behalten. In kaum einem anderen Land Europas sind die Straßen mit mehr Hinweisschildern ausgestattet als in Deutschland. Den fließenden Verkehr im Auge zu behalten, die Gebote und Verbote zu erkennen, erfordert ein Maximum an Aufmerksamkeit. Viel zu schnell übersehen Fahrzeugführer ein plötzlich auftretendes Hindernis, wie einen Ball, der auf die Fahrbahn rollt und dem sicher bald ein Kind folgen wird. Wer dabei noch versucht einen freien Parkplatz zu finden, ist auf Unterstützung angewiesen. Ist ein menschlicher Beifahrer an Bord, kann er die Aufgabe übernehmen. Allerdings vertrauen immer mehr Autohersteller auf die Leistungsfähigkeit moderner Erkennungssysteme und Sensoren, die für ein Plus an Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Für die Formel 1 reichen diese Features nicht aus.

Um neue Automobiltechnologie zu überprüfen, stehen den Herstellern zahlreiche Teststrecken zur Verfügung. Allerdings lassen sich hier nur ausgesuchte Szenarien testen. Das komplexe Zusammenspiel im Straßenverkehr dicht besiedelter Regionen ist ebenso schwierig zu simulieren wie die Reaktionsgeschwindigkeit der Systeme bei extremen Geschwindigkeiten. Ein Testareal für neue Technologien ist deshalb der Rennsport, hier besonders die Formel 1. Der sogenannte Digital Twin stellt ein Abbild aller gemessenen Werte eines Automobils am Rechner dar und erlaubt es, bestimmte Szenarien im Labor zu erproben. Was im Rennsport bereits zum Alltag gehört, wird vermutlich schon bald in die Serienfertigung einfließen.

Cobots: Zeitarbeit mal anders

Das „Robozän“ ist nicht etwa ein neues Zeitalter, sondern eine Personalvermittlung für Roboter. Was klingt wie Zukunftsmusik, orientiert sich an den Bedürfnissen in der Fertigung. Die Anschaffung eines Roboters und die Automatisierung einzelner Fertigungsschritte lohnt nur für die Herstellung in hohen Stückzahlen. Kleinere Anforderungen übernehmen noch immer Menschen, die sich angesichts rasch verändernder Prozesse nach wie vor als flexibler erweisen. Mit der neuen Generation der Roboter soll sich das nun ändern. Ausgangsbasis für den Kollegen aus Stahl ist ein von pi4_robotics vertriebenes System, das nach Aussage von Unternehmenschef Matthias Krinke sowohl Aufgaben an der Kasse eines Supermarktes als auch als Security und mehr übernehmen kann.

Die sogenannten Workerbots stellen besonders für diejenigen unter den kleinen und mittleren Unternehmen einen Einstieg in die Automatisierung dar, die sonst hohe Anfangsinvestitionen scheuen. Gegen eine Leihgebühr in Höhe des aktuellen Mindestlohns verleiht Robozän maschinelle Arbeitskräfte, die nie krank werden, immer pünktlich zur Arbeit erscheinen und praktisch ohne Ruhezeiten auskommen. Für Collaborative Robots – kurz Cobots – interessieren sich nicht nur Unternehmen, sondern auch Investoren. Nach einer erfolgreichen Erprobungsphase von einem Jahr wird die Nachfrage immer stärker. Welche weiteren Innovationen im Bereich Automatisierung und Robotertechnik auf ihren Einsatz warten, zeigt zum Beispiel der Robotic Award der HANNOVER MESSE.

Messe-TV zur Industriemesse: SmartFactory

Dieses Jahr steht im Zentrum der Berichterstattung ganz im Zeichen von Industrie 4.0 die Smart Factory.  Messefilme und Videos zum Thema finden Sie ab 25.04.2017 hier: https://www.messeblick.tv/2017/hannover-messe.html

HANNOVER MESSE 2017

In diesem Jahr ist Polen das Partnerland der HANNOVER MESSE. 80 Unternehmen aus dem Nachbarland präsentieren sich schon jetzt regelmäßig in Niedersachsen. Viele Messebesucher zeigen sich überrascht angesichts der wegweisenden Technologie, die dem polnischen Außenhandel einen mehr als beachtenswerten Erfolg beschert hat. Die Ministerpräsidentin Polens, Beata Szydło, wird gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Messe eröffnen. Link: offizielle Webseite

 

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